
Schnee von gestern
Kamera: Porst Carena micro
Film: Agfa APX 100, Spur Straight Black

Schnee von gestern
Kamera: Porst Carena micro
Film: Agfa APX 100, Spur Straight Black

?stieg
Kamera: Exa 1b
Film: Rollei ATP 1.1, Acurol N
Bisher habe ich selten mit Farbfilmen gearbeitet. Ein Grund ist, dass ich die Farbnegative nicht selbst entwickeln kann. Wer im einfacher handelbaren Schwarz-Weiss-Prozess Blut gelegt hat, der weiss sehr gut, was ich meine. Zum anderen bin ich ein Liebhaber der Kreuzentwicklung, beziehungsweise mag ich den Charakter abgelaufener Filme. Also nicht das Bleichen und Verstümmeln von Farbaufnahmen in Photoshop, sondern echte bunte Alterungseffekte.
Vor ca. zwei Jahren legte ich mir ein kleines Sortiment an Farbfilmen zu. Diese habe ich unter normale mitteleuropäische Klimabedingungen gelagert. Keine Kühlung, stattdessen bullige Sommerhitze und Zentralheizung im Winter. Nachdem ein Film sein MHD um fast ein Jahr überschritten hatte, wollte ich einen ersten Schuss wagen.
Froh gelaunt mache ich mich nach der Belichtung auf den Weg ins märkische Angerdorf Alt-Marzahn. Hier ist ein Foto Quelle-Laden, dem ich bisher meine Farbfilme zur Entwicklung übergab und wo man ganz nebenbei auch alte Analoge käuflich erwerben kann. Doch irgendetwas ist anders. Es fehlt der Aufsteller. Vielleicht ist der Geschäftsinhaber nur krank.
An der Eingangstür lese ich die traurige Nachricht: Das Geschäft wurde Anfang Mai aufgegeben. Ich bin traurig. Zugegeben, es war abzusehen. In dem Laden war wenig los, das Register mit den erledigten Fotoaufträgen immer leer. Obwohl hier analoge Kameras verkauft wurden, gab es keine Filme dazu. Zudem wurden nur Kleinbildkameras angeboten, dafür gab es eine Riesensammlung an alten Kamerataschen.
Ohne Zweifel ist der Standort Alt-Marzahn visuell, dafür aber nicht geschäftlich attraktiv. Der ehemalige Inhaber hatte aber Ahnung und er konnte mir immer Geschichten zu seinen feil gebotenen Kameras erzählen. Ob er wusste, dass es das Internet gibt und das Analog nicht so tot ist wie er vielleicht dachte?
Ich wünschte mir, es gäbe diesen Laden noch und er hätte es irgendwie geschafft sich so neu zu erfinden, dass diese Perle geschlossen werden musste. Ich erinnere mich immer wieder wie er mich ansah, als ich dem Betreiber einen Farb-Rollfilm auf die Theke stellte, um die Entwicklung bat und er mir sagte, dass das aber eine Woche dauern könnte. Da war so ein Funkeln in seinen Augen.
Wäre ich berühmt, reich und sexy, würde ich mir den Laden zum fünfzigsten Geburtstag schenken und mein Hobby leben. Inklusive Kamera- und Filmverkauf, vielleicht auch ein bisschen selbst in Schwarz-Weiß entwickeln und analog Workshoppen. Oder so ähnlich.
Doch wohin mit meinem Farbfilm? Der Name Foto Quelle ist heute gleichzusetzen mit ORWO net und PixelNet. Auf den Webseiten wird mir angeboten, dass man mir meinen Film entwickeln würde. Da steht zwar immer nur Kleinbild, über den Foto Quelle-Laden ging auch der farbige Rollfilm. Ich lasse mir eine Versandtasche zuschicken.
Zwei Werktage später liegt sie in der Post. Mein Name und die Anschrift ist aufgedruckt. Ich könnte die Anzahl der Filme in der Tasche notieren, nur fehlt da die Möglichkeit dem Labor mitzuteilen, dass der Rollfilm nur entwickelt werden soll. Ich bemühe die Hotline zum normalen Inlandstarif. Keine fünf Minuten später bin ich schlauer: Farbiger Rollfilm und ein Zettel mit dem Hinweis, dass der Film nur entwickelt werden soll, in die Versandtasche gesteckt, zugeklebt und ab in den Briefkasten!
Keine siebzehn Stunden später bekomme ich die Nachricht, dass die Versandtasche angekommen ist. Vier Stunden später folgt die Info, dass mein Auftrag bearbeitet und in den Versand gegeben wurde. Keine 48 Stunden nach Einwurf der Versandtasche in den Postkasten liegt der entwickelte Farbfilm im Briefkasten. Das ist eine starke Leistung für keine sechs Euro, die ich unbedingt mal erwähnen musste!
PS: Dem Film ist der Aufenthalt in meiner Reifekammer gut bekommen. Diesen Sommer werde ich wohl mehr farbige Filme nutzen dürfen …

Der rote Baum
Film: Kodak Portra 160 VC
Kamera: Great Wall DF 4
In den letzten Wochen, gar Monaten, habe ich an drei Artikeln zum Thema Schwarz-Weiß-Fotografie gearbeitet. Korrekt müsste es, wie ein Interview-Partner richtig anmerkte, Monochrom-Fotografie heißen. Aber wenn sich im Latsch des Volksmundes etwas einbürgert, dann ist es ungleich schwerer ihm den Gang wieder abzugewöhnen. Folglich bleibt es bei Schwarz-Weiß.
Zwei Artikel sind bereits erschienen, was mich nicht nur wegen der anstehenden Honorarzahlungen freut. In einem der beiden schreibe ich über die “kreative Filmentwicklung”. Ein weites Feld, was auf fünf Seiten nur einen Auszug des Möglichen liefern kann. Selbst ein einzelnes Buch könnte nicht das abdecken, was mir bei dem Thema auf der künstlerischen Seele brennt. Es geht so vieles, vor allem das Unmögliche, was abwegig klingt und nach Lehrbuch wenig Sinn macht. Ich liebe dieses Spiel abseits des eingezäunten Areal Masse.
Ausgehend von der Standardentwicklung laut Beipack-Zettel des Filmherstellers lege ich den Fokus “nur” auf den Pull und Push. Drei, auf ihre Art exzellente Entwickler fließen in die Betrachtungen ein: Der Spürsinn HCD-new, Acurol N und ein Rodinal-Enkel. Da die Redaktion einen kleinen “Workshop” angeregt hat, gehe ich auf den Arbeitsablauf mit dem HCD-new ein. Er kann als Zwei-Phasen-Entwickler benutzt werden, wobei gerade der erste Schritt etwas vom “Schüttle die Dose”, unter Wissenden auch neudeutsch Agitation (übersetzt: Badbewegung, Schütteln) genannt, abweicht.
Fünf Seiten a 3000 Zeichen plus Fotos zum eigentlichen Ablauf und dem Zeigen. Beginne ich mit den Schreibarbeiten, klingt es wahnsinnig viel, was mir als Autor zu Verfügung steht. Am Ende sitze ich da und muss gnadenlos kürzen. Nur wo? Mut zum beherzten Weglassen ist da gefragt. Verallgemeinern ist angesagt, der maximalen Zeichenzahl wegen. Wenigstens kann ich kurz auf Caffenol verweisen, den Wink einen Film mit Positiventwickler zu baden verkneife ich mir.

Preise …
Kamera: Exa 1b
Film: Ilford HP5 plus 400 @ EI6400, Adonal
So ein Film ist wie eine Scheibe Sandwichbrot, das Sujet eine Reliefplatte, welche ich in der Sandwichscheibe verewigen möchte. Der Kontakt zwischen der weichen Brotscheibe und der Reliefplatte ist nur kurz, trotzdem kann ich das abzuformende Relief sanft, mittel oder tiefer hineindrücken. Ist die Reliefplatte weg, gibt das Sandwichbrot wieder nach und alles sieht wie vorher aus. Im Inneren der Brotscheibe hat der Abdruck an den Poren des gebackenen Teiges kleine Mikrospuren hinterlassen. Ich habe eine latente Abformung meiner Reliefplatte, die es nun heisst sichtbar herauszuarbeiten.
Jetzt kommt das Zauberwässerchen, der Entwickler, zum Zug. Da, wo die Reliefplatte die Poren des gebackenen Teiges verformt hat, wird Brotteig entfernt. Zur Erinnerung: Meine Scheibe Sandwichbrot ist das Negativ, mit dem ich durch Formguss neue Positive (Reliefplatten) erstelle.
Das Zauberwasser kann verschiedene Eigenschaften wie Aufgaben haben:
Optimal wäre eine Eindringtiefe der Reliefplatte, die jede Höhe sauber erfasst. Gleichzeitig müssten die Poren fein genug sein, überhaupt jede Höhenänderung zu erfassen. Auf der anderen Seite muss der Sandwich-Brotteig so flexibel sein, dass er steile Höhenänderungen auch ordnungsgemäß erfasst. Ich bräuchte folglich Zauberwasser für feinst-, fein-, mittel- und grobporiges Sandwichbrot.
Obwohl, zum Beispiel, die Reliefplatte nur ganz kurz auf dem Sandwichbrot lag, gräbt sich das Zauberwasser tiefer in die Scheibe hinein. Natürlich kann über diesen Weg die Negativform nicht ganz dem Original entsprechen. Alles sieht etwas poriger aus.
Die Reliefplatte könnte sich auch zu tief in die Scheibe Sandwichbrot gegraben haben. Gut möglich, dass die höchsten Details des Reliefs verloren gehen. Vielleicht wäre hier ein breiiges Zauberwasser angebracht, welches nicht jede verformte Pore des Brotteiges erfasst.
Es bleibt die Frage, wie mit der Abformung zu verfahren ist, wenn die Höhenunterschiede des Reliefs höher als die Dicke des Sandwichscheibe ist. Selbst das Abformen meiner Positive wirft jede Menge Fragen auf. Nur kann ich darüber wenig zu sagen, da ich diese Disziplin nicht praktiziere.

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Kamera: Exa 1b
Film: Rollei ATP 1.1, Adonal
Fotografie ist eine Aber-Disziplin. Jeder Lösungsansatz zieht einen Rattenschwanz an Aber nach sich. Das hat nichts mit Besserwissen oder Nörgeln zu tun. Es ist die logische Konsequenz eines zutiefst analogen Prozessen, der eine permanente Abwägung zwischen Vor- und Nachteil, aber auch Actio und Reactio erfordert. Genau deshalb arbeite ich mit analogen Materialien, probiere Sandwichbrote und Zauberwässerchen aus. Für meine manisch-depressiven Machwerke interessieren mich weniger Standardabformungen.
Das chronische Schwarzsehen erfordert nach meinem Gefühl eine härtere Gangart am Negativ. Details bis in die Unendlichkeit bei kongenialer Tonwertwiedergabe sind für mein künstlerisches Seelenheil seltener gefragt. Dennoch tummelt sich ein Acurol N in meiner Kühlbox. Wie passt das zusammen?
Seine Präzision kombiniere ich mit den Unzulänglichkeiten der optischen Abbildung einiger meiner Kameras. Schon sieht die Welt wieder ganz anders aus …

Licht Licht
Kamera: Exa 1b
Film: Rollei ATP 1.1, Acurol N

Lippy Kids – Elbow
Kamera: Polaroid Land Camera 250
Film: Fujifilm FP-3000 B